Gattung und Arten

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Eichenarten in der Schweiz > Gattung und Arten

Auszug aus der Publikation: Bonfils P., Horisberger D. Ulber M. (Red.) 2005: Förderung der Eiche. Strategie zur Erhaltung eines Natur- und Kulturerbes der Schweiz. [->]

Vorkommen weltweit. Die Gattung der Eichen (Familie der Buchengewächse, Fagaceae) ist auf der Nordhalbkugel heimisch und umfasst etwa 500 Arten und zahlreiche Bastarde. Das Verbreitungszentrum liegt in Nordamerika, und eine grössere Anzahl von Arten kommen im Mittelmeergebiet und in Westasien vor. Südwärts sind einzelne Arten bis nach Ecuador und nach Indonesien vorgedrungen. Eichen sind immer- oder sommergrüne, bis über 50 m grosse und über 700 Jahre alt werdende Bäume oder Sträucher mit rissiger Rinde und knorrigen, unregelmässigen und starkästigen Kronen; die Blätter sind gelappt oder gesägt. Besonders charakteristisch sind die Fruchtbecher und die Gestalt der Frucht, die Eichel genannt wird.

Eichen fallen durch die besondere Form ihrer Früchte auf: die Eichel (Frucht) und die Cupula (becherförmige Fruchthülle). Im Bild eine Stieleiche. (Foto P. Bonfils)

Europäische Vorkommen. In Europa gibt es je nach Artkonzept 20 bis 30 verschiedene Arten, die meisten davon im östlichen Mittelmeergebiet. Nach Norden zu nimmt die Artenzahl stark ab, so dass im zentralen Mitteleuropa nur noch vier und in Skandinavien nur noch zwei Eichen vorkommen (Quercus robur und Q. petraea), die beide nicht die boreale Zone am 60. Breitengrad erreichen.

Die Verbreitungsgebiete von Flaum-, Trauben und Stieleiche (von links nach rechts)

Ökologie. Die Darstellung der Artverteilung in Europa macht deutlich, dass es sich bei den Eichen um licht- und wärmeliebende, oft trockenheitsertragende Bäume handelt, die nicht an das Leben in kalten Klimazonen angepasst sind. Diese Eigenschaft zeigt sich deutlich auch im ökologischen Verhalten der vier Eichen der Schweiz: Der Stieleiche (Quercus robur), der Traubeneiche (Quercus petraea), der Flaumeiche (Quercus pubescens) und der Zerreiche (Quercus cerris). Auch die beiden eher nördlich verbreiteten Arten Stieleiche und Traubeneiche brauchen eine lange warme Vegetationsperiode. Auf das Ganze gesehen ist die Stieleiche die weniger anspruchsvolle Art. Weil sie Fröste und vernässte Böden besser erträgt, ist sie in Europa viel weiter verbreitet als die Traubeneiche, die auf ozeanisch geprägte Klimagebiete der subatlantisch -submediterranen Zone beschränkt ist. Dieser kontinentale Charakter der Stieleiche widerspiegelt sich aber interessanterweise nicht in ihrer Verbreitung in der Schweiz, ist sie doch in den kontinental geprägten inneralpinen Tälern nicht häufiger oder sogar seltener als die Traubeneiche, so zum Beispiel im Mittel- und Oberwallis. Offenbar verhalten sich ihre einheimischen Standortsrassen anders als die osteuropäischen. Noch wärmebedürftiger und trockenheitsresistenter ist die Flaumeiche, die sich, weit entfernt von ihrem submediterranen Ursprungsgebiet, in der Schweiz an ihrer nördlichen Verbreitungsgrenze und somit ausserhalb der für sie optimalen Klimazone befindet. Sie wächst bei uns überwiegend auf sommerwarmen, meist steilen und flachgründigen Südhängen, z.B. am Jurasüdfuss und im Wallis, wo sie nicht von konkurrenzstärkeren Arten bedrängt wird. Eindrückliche, grossflächige Flaumeichenwälder wachsen etwa bei Martigny (VS). Die Zerreiche, eine südosteuropäische Art, ist in der Schweiz auf die Laubmischwälder des Südtessins beschränkt.