Denis Horisberger - 40 Jahre Praxisforschung für die Eiche
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Denis Horisberger

„Wenn wir nur Herausforderungen mit schnellen Resultaten annehmen, werden wir nie wirklich weiterkommen!" Diesen Leitsatz hat sich Denis Horisberger* zu eigen gemacht. Seit mehr als 40 Jahren setzt er sich mit Leidenschaft, Konsequenz und unermüdlichem Engagement für das Wissen und die Förderung der Eiche ein. Auf der Basis sorgfältiger Beobachtungen der Morphologie der Eichenblätter konnte er feststellen, dass zwischen dem phänotypischen Ausdruck und dem Standort, auf denen die Eiche gedeiht, eine enge Korrelation besteht. [...]

 

 

 

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Nach der Analyse der Eichenwälder des Kantons Waadt und der systematischen Probennahme auf 2‘800 Aufnahmeflächen (16‘730 Blätter, 5‘600 Zweige und 790 Blattstiele herbarisiert) packte Denis Horisberger seine unstillbare Neugierde erst recht, so dass er sich an die Untersuchung der Eichenbestände in den Kantonen Genf, Wallis, Schaffhausen und Neuenburg machte. Bis heute wurden mehr als 440 Populationen und etwa 8.800 Eichenblätter von ebenso vielen verschiedenen Bäumen analysiert. Jedes Blatt wurde: (1) lokalisiert, (2) geerntet, (3) nummeriert, (4) getrocknet, (5) gescannt, (6) fotografiert, (7) mit einer Lupe und unter dem Mikroskop zur Artbestimmung analysiert und (7) herbarisiert. Diese gewaltige Geduldsarbeit führte zu einem besseren Verständnis der heimischen Eichen nördlich des Schweizer Alpenbogens und im Wallis. Die Sammlung von aussergewöhnlichem Wert ist im kantonalen Museum und botanischen Garten in Lausanne hinterlegt.

 

Die langjährige Arbeit, der sich Denis Horisberger seit vier Jahrzehnten widmet, hat es ihm ermöglicht, einen an die Bedürfnisse der Praxis angepassten Eichenbestimmungsschlüssel zu entwerfen. Ein wesentliches Instrument für Forstfachleute, um (1) die Eignung einer Eichenart an ihren Standort zu prüfen und damit (2) die Gesundheit eines Waldökosystems sowie seine Anpassungsfähigkeit an den aktuellen Klimawandel zu verstärken.

 

Denis Horisberger zeigt eine Leidenschaft für die Eiche, die weit über die Artbestimmung und die Ökologie hinausgeht und durch die Kontakte zu einem ausgedehnten Netzwerk von Mitarbeitern und Eichen-Interessierten weiter angeregt wird. So hat er in zahlreichen Publikationen eine Vielfalt von Themen festgehalten: zu nennen sind etwa das Eichenvorkommen in der Schweiz, die Auswahl und Verwendung von Schweizer Eichenholz in der Küferei oder die Evolutionsdynamik des Mittelspechts und der Eiche im Kanton Waadt. Alles Veröffentlichungen, die leicht und bereichernd wirken.

 

Denis Horisberger war 2001 die treibende Kraft bei der Gründung des Vereins proQuercus, welcher sich der Förderung des Natur- und Kulturerbe der Eiche verschrieben hat. Er war ihr erster Präsident.

 

Der Verein proQuercus macht es sich hier zur Aufgabe und hat die Freude, eine Synthese des imposanten und praxisorientierten Werks des Eichen-Botschafters Denis Horisberger zu veröffentlichen.

 

*Denis Horisberger, Forstingenieur ETHZ, Forstmeister des Kreis 7 im Kanton Waadt von 1974 bis 2005, durfte das seltene Privileg nutzen, einen Teil seiner Zeit der angewandten Forschung zu widmen. Im Ruhestand vertiefte er die Zusammenarbeit mit proQuercus und verschiedenen eidgenössischen und kantonalen Forstbehörden zum Thema Eiche weiter.

 

 

  


Themendossiers


Im Folgenden sind die Vorworte und Zusammenfassungen der drei Dokumente des Dossiers in Deutsch wiedergegeben. Die Originaldokumente sind in französischer Sprache verfasst.

 

Die Dokumente in diesem Dossier sollen sich weiterentwickeln. Neue Erkenntnisse und Arbeitsinstrumente werden bei Bedarf integriert.

 

  • Standörtliche Eignung und Bewirtschaftung der einheimischen Eichenarten [Link]
  • Entwicklung eines Bestimmungsschlüssels für die einheimischen Eichenarten [Link]
  • Die kantonalen Herbarien der einheimischen Eiche in der Schweiz [Link]
  • „Feld“-Dokumente für den Praktiker [Link]

(1) Adéquation stationelles et gestion des chênes indigènes

(Mai 2021)

Standörtliche Eignung und Bewirtschaftung der einheimischen Eichenarten nördlich des Schweizer Alpenbogens und im Wallis.

Vorwort. Anerkannt und geschätzt für ihren hohen Kulturwert - Produkt einer jahrtausendealten, gegenseitigen Abhängigkeit mit der menschlichen Gesellschaft - nehmen die Eichenwälder in der Schweiz unter dem Einfluss der natürlichen Konkurrenz anderer Waldbaumarten ständig ab. Forstpraktiker und Forschende weisen seit mehr als einem Jahrhundert auf den Mangel an Eichenverjüngung hin. Die Lösung dieses Problems wird einerseits durch die hohen Kosten der Eichenbewirtschaftung, aber auch durch die grosse Sensibilität der Öffentlichkeit und des Naturschutzes erschwert, welche sich schwertun mit der Schaffung von grossen Lichtschächten, Voraussetzung für die Verjüngung dieser typischen Lichtbaumart. Es liegt an der Forstwelt, mit Kreativität und Überzeugungskraft eine Wiederbelebung dieser Kulturart zu unterstützen... .

Zusammenfassung. Die aussergewöhnliche genetische Diversität der Gattung Eiche bietet eine ausgezeichnete Ausgangslage im Hinblick auf die Bewältigung der Auswirkungen eines bedeutenden Klimawandels. Dieser unbestreitbare Vorteil dürfte zu einer verbesserten Wahrnehmung der Eiche und ihrer Rolle in der Wald-Biozönose – dem privilegierten Refugium für die Artenvielfalt – verhelfen. Allerdings setzt dies voraus, dass die Waldbewirtschafter auf die ökologischen und physiologischen Besonderheiten jeder Eichenart Rücksicht nehmen. Ziel muss es sein, ihre Anpassung aktiv zu unterstützen, ohne die evolutionären Mechanismen zu behindern, welche die Grundlage für eine vielversprechende Zukunft bilden.


(2) Développement d'une clé de détermination des chênes indigènes

(Mai 2021)

Entwicklung eines Bestimmungsschlüssels für die einheimischen Eichenarten nördlich des Schweizer Alpenbogens und im Wallis

Vorwort. Der Wunsch, einen Schlüssel zur Bestimmung der Eichenarten zu entwickeln, gab Ende der 1970er Jahre das Signal für den Beginn einer vierzigjährigen Periode der angewandten Eichenforschung in der Schweiz. Der vorliegende Beitrag greift die während dieser Zeit entstandene Dokumentation schrittweise auf und vervollständigt sie Punkt für Punkt. In den Jahren 2019-20 wurde schliesslich das anvisierte Ziel erreicht. Dem Forstpraktiker konnte – ebenso wie dem interessierten Amateur oder Berufsmann – ein Bestimmungsinstrument angeboten werden, das Einfachheit mit Exaktheit verbindet.

Zusammenfassung. Die Identifizierung von Eichen gilt wegen ihrer grossen, natürlichen Formenvielfalt als schwierig, ja sogar verwirrend. Ein langer Prozess der Sammlung und Analyse von Blattdaten aus der ganzen Schweiz wurde unternommen.

Die wiederholten Beobachtungen und Messungen an Zehntausenden von Eichenblättern hat es erlaubt, die Zahl der Bestimmungsmerkmale, welche in der Fachliteratur vorgeschlagenen werden, nach und nach auf vier zu reduzieren. Berücksichtigt wurden schliesslich (1) die relative Länge des Blattstiels zur Länge der Blattspreite, (2) die Anzahl Buchtennerven in den untersten drei Buchtenpaaren, (3) die Behaarung des Blattstiels und (4) des Mittelnervs. In Form eines standardisierten und schematisierten Ablaufs der Bestimmung, wird der Schlüssel durch ein Werkzeug ergänzt, welches die Ansprache eines Eichenbestandes erlaubt (Kollektiv) und auf der Beurteilung von mindestens zwanzig Blättern von ebenso vielen verschiedenen Bäumen basiert.


(3) Les herbiers cantonaux des chênes indigènes en Suisse

(Mai 2021)

Die kantonalen Herbarien der einheimischen Eiche in der Schweiz

 

Vorwort. Das Erstellen von Herbarien ist für viele mit dem überholten Bild des Botanikers verbunden, der unermüdlich die Natur durchstreift, eine Botanisierbüchse über die Schulter trägt und schliesslich im staubigen Keller stapelweise Herbarbögen lagert ... .

 

In den letzten vier Jahrzehnten widmeten sich und widmen sich heute noch dutzende von Förster und Interessierte aller Art der Sammlung und Analyse von tausenden von Blättern einheimischer Eichenarten in der Schweiz! All dies, um unser Wissen über die faszinierende Welt der Eichen zu verbessern. Es muss anerkannt werden, dass die Ähnlichkeit der Blätter innerhalb dieses Artenkomplexes verwirrend ist. Kommt die Herausforderung hinzu, die Zwischenformen zu erkennen, welche sich aus der Möglichkeit zur Hybridisierung ergeben. 


Wenn dies Herausforderung trotzdem angenommen und mit Hilfe eines gut strukturierten Bestimmungsschlüssels und moderner Analysetechniken bewältigt wird, dann nur deshalb, weil damit eine grosse Herausforderung für den Waldbewirtschafter verbunden ist: dem Klimawandel proaktiv zu begegnen. Die aussergewöhnliche genetische Vielfalt der Eichen bietet diesbezüglich unbestreitbar Anpassungsvorteile. Diese müssen allerdings in der täglichen Praxis gefördert werden. Zudem bleibt es unerlässlich, die vorteilhaften Umweltbedingungen jeder Eichenart zu kennen.

Zusammenfassung. Die Anlag neuer Eichenherbarien, die nach den Wünschen der kantonalen Forstdienste erstellt werden, erschliesst neue Kenntnisse über die unterschiedlichen ökologischen, historischen und kulturellen Parameter, welche die Waldbewirtschaftung in der Schweiz auszeichnen. Das grosse Engagement der am Aufbau der Herbarien beteiligten Personen hat zu einer ganz besonderen Originalität dieser verschiedenen Sammlungen geführt. Diese in Form von sachlichen Präsentationen zu entdecken, ist das Ziel dieses Dossiers. Damit verbunden bleibt die Hoffnung, dass das Abenteuer “Eichenherbar“ eine Fortsetzung findet.

Illustrationen aus den Dossiers

„Feld“-Dokumente für den Praktiker (Taschenformat):

  • Faltblatt zur Identifizierung einheimischer Eichen; Bestimmungsschlüssel  [Download]
  • Zeigerpflanzen und Standorteignung der Eichen  [Download]

01.03.2022