Editorial
Liebe Eichen- und Waldfreunde
Ungleichförmige Wälder sind Teil des Schweizer Waldbau-Kulturerbes. Seit mehr als einem Jahrhundert beschäftigen sich Praxis und Forschung mit den Plenterwäldern
der montanen Stufe. Erst in den 1990er-Jahren begann man sich aber intensiver mit ungleichförmigen Waldstrukturen in den Laubwäldern der Tieflagen zu interessieren. Dies vor dem Hintergrund der
immer zahlreicheren Erwartungen an die Multifunktionalität der Wälder. Weil Eichen sich besonders gut anpassen können, vergrössert ihre Einbindung in ungleichförmige Waldstrukturen den
waldbaulichen Spielraum angesichts des Klimawandels wesentlich. Aber ist dies überhaupt möglich? Wie verhält sich eine lichtbedürftige Baumart in strukturierten Beständen? Ein neues
proQuercus-Merkblatt ist diesen Fragen auf den Grund gegangen. Pascal Junod, ein profunder Kenner der Eiche, hat die praktischen Erfahrungen aus seinem gesamten Berufsleben in dieses Merkblatt
einfliessen lassen und mit Kenntnissen aus der Wissenschaft untermauert. Entstanden ist eine wertvolle Publikation, welche zur Pflichtlektüre für Forstleute werden sollte, die sich für Eichen und
ungleichförmige Waldstrukturen interessieren. Das Thema ist hoch aktuell, da es die Erwartungen der Gesellschaft an nachhaltige Waldbewirtschaftung, die wirtschaftlichen Perspektiven der
Eigentümer und die Auswirkungen des Klimawandels behandelt.
Wir wünschen allen eine anregende Lektüre unseres Newsletter 2026/1 und ein erfolgreiches Eichenjahr 2026.
Ihr proQuercus Vorstand
Inhalt
Aus dem Verein
proQuercus Vereinsversammlung 2026 [>]
Projekte
Unterstützte Hähersaat [>]
Ein Herbarium für die Zerreiche [>]
Bildung
Fachexkursion proQuercus (Jahresversammlung) [>]
Bildungsreise nach Slowenien & Kroatien [>]
Publikationen
Eichen in ungleichförmigen Hochwäldern [>]
Wie Eichen ihre Fressfeinde austricksen [>]
"OAKSCAPE" - ein neuer Ansatz zur Frage der Eichenverjüngung [>]
Internationales
Eichenwirtschaft – Risiken und Zukunftsperspektiven
(NHN-Tagung 2026) [>]
Flaumeiche - Projekt CONQuetTh [>]
proQuercus Dienstleistungen
Beratung [>]
Präsentationsvorlagen [>]
Fotomaterial [>]
Aus dem Verein
proQuercus Vereinsversammlung 26.06.2026
Die Vereinsversammlung 2026 von proQuercus findet am Freitag, 26. Juni 2026 in Marthalen, im Staatswald Wyland im Kanton Zürich statt. Einladung, Programm und Anmeldung können von der proQuercus-Website heruntergeladen werden [Link].
Nach der Vereinsversammlung führt die proQuercus-Fachexkursion in das Niderholz – mit rund 900 Hektaren der grösste zusammen-hängende Eichenwald der Schweiz. Unter dem Titel «Eichenreichtum zwischen Rheinau und Marthalen» lädt die waldbauliche Exkursion dazu ein, die Multifunktionalität von Wäldern zu diskutieren. Die eichenreichen Wälder des Wylands zeigen eindrücklich, wie natur-schützerische Ziele, waldbauliche Bewirtschaftung und regionale Holznutzung zu einem überzeugenden Gesamtkonzept zusammenfinden. Weitere Angaben zur Exkursion unter Bildung [Link].
Projekte
Unterstützte Hähersaat
Das Programm von proQuercus zur Förderung von Projekten zur „Unterstützten Hähersaat“ wurde 2025 ausgeweitet. Nach dem Start von 14 Projekten im Jahr 2024 konnten 2025 weitere 10 Projekte eingerichtet oder vorbereitet werden [Link]. Erfreulich ist, dass neue Projekte in den Voralpen (VD, BE, FR) und im Kanton Graubünden entstanden sind. Dies betrifft Regionen, in denen die Eiche aus historischen Gründen (Fichtenanbau) in der Regel nur wenig oder gar nicht vorkommt und nun wieder angesiedelt werden soll, um die Bestände zu stabilisieren.
Ein Herbarium für die Zerreiche
In den letzten Jahrzehnten konzentrierte sich in der Schweiz die Erweiterung des Wissens über einheimische Eichen auf die Arten, die nördlich des Alpenbogens und im Wallis vorkommen, nämlich die Stieleiche, die Traubeneiche und die Flaumeiche.
In den letzten Jahren hat sich Denis Horisberger in den südlichen Tessin begeben und die vierte einheimische Eichenart, die Zerreiche (Q. cerris L.), unter die Lupe genommen.
Bildung
Fachexkursion proQuercus - Jahresversammlung
Im Anschluss an die proQuercus Jahresversammlung am 26. Juni 2026 bietet proQuerucs eine Fachexkursion an, welche auch für Interessenten offen ist, welche nicht Mitglied des Vereins sind. Die Fachexkursion führt ins Niederholz im zürcherischen Weinland. Anmeldungen können über das Formular «Programm und Anmeldung» für die Jahresversammlung vorgenommen werden [Link].
Eichenreichtum zwischen Rheinau und Marthalen. Die proQuercus-Fachexkursion führt in das Niderholz – mit rund 900 Hektaren der grösste zusammenhängende Eichenwald der Schweiz. Die waldbauliche Exkursion lädt dazu ein, ein Gebiet zu entdecken, das eindrücklich zeigt, wie naturschützerische Ziele, waldbauliche Bewirtschaftung und regionale Holznutzung zu einem überzeugenden Gesamtkonzept zusammenfinden. .
Bildungsreise nach Slowenien & Kroatien
Die Bildungsreise nach Slowenien und Kroatien, welche 2025 verschoben werden musste (wir haben berichtet) kann nun im Oktober 2026 durchgeführt werden [Link]. Die Reise ist auf grosses Interesse gestossen und war in kürzester Zeit ausgebucht. Mit Spannung erwarten wir den Reisebericht unserer KollegInnen und werden diesen dann im Newsletter 2026/2 präsentieren.
Publikationen
Eichen in ungleichförmigen Hochwäldern
Ungleichförmige Wälder sind Teil des Schweizer Waldbau-Kulturerbes. Seit mehr als einem Jahrhundert beschäftigen sich Praxis und Forschung mit den Plenterwäldern der montanen Stufe. Erst in den 1990er Jahren wurden aber schliesslich wissenschaftliche Untersuchun-gen zu ungleichförmigen Waldstrukturen in den Laub-wäldern der Tieflagen durchge-führt.
Pascal Junod stellt in einem neuen proQuercus Merkblatt Praxis und Literatur zu diesem Thema vor. In diesem wichtigen Merkblatt fasst er die Erfahrungen aus seinem ganzen Berufsleben zusammen und illustriert diese an eindrücklichen Beispielen aus seinem Wirkungsfeld am Fusse des Neuenburger Juras.
Wie Eichen ihre Fressfeinde austricksen
Bild: Sven Finnberg
SOUMEN MALLICK ET AL. (2026) Satellite data show trees delay budburst across landscapes to escape herbivores, Nature Ecology & Evolution, 1. Mai 2026, DOI 10.1038/s41559-026-03071-9 [Download]
Viele Insekten, vor allem Raupen, schlüpfen genau dann, wenn die nährstoffreichen Blätter der Bäume noch jung und weich sind. So finden sie einen reich gedeckten Tisch und können direkt mit dem Fressen anfangen.
"OAKSCAPE" - ein neuer Ansatz zur Frage der Eichenverjüngung
Foto: Andrew Curtis, Wikimedia Commons, licensed under CC BY-SA 2.0
BOBIEC, A. ET. AL (2018) Seeing the oakscape beyond the forest: a landscapeapproach to the oak regeneration in Europe. Landscape Ecol [Download]
Die Intensivierung und Spezialisierung in der Land- und Forstwirtschaft haben zu tiefgreifenden strukturellen und qualitativen Veränderungen in den europäischen Landschaften geführt. Insbesondere wurden Übergangshabitate, die für eine Vielzahl von Arten und ökologischen Prozessen von entscheidender Bedeutung sind, zunehmend durch scharfe, schmale Waldränder ersetzt, die an relativ homogene Vegetationstypen angrenzen. Gerade diese Übergangshabitate bieten aber Quercus robur (Stieleiche) und Q. petraea (Traubeneiche) geeignete Verjüngungsnischen. Eichenwaldbau, einschliesslich der Verjüngung, werden heute aber in der Regel nur im Rahmen von Waldstrukturen wahrgenommen.
Internationales
Eichenwirtschaft – Risiken und Zukunftsperspektiven (NHN-Tagung 2026)
Die jährliche Tagung des Kompetenzzentrums für nachhaltige Holznutzung (NHN), die am 7. Mai 2026 in Göttingen stattgefunden hat, war dem Thema „Eichenwirtschaft – Risiken und Zukunftsperspektiven“ gewidmet. Die Eiche wird wegen der Produktion von Wertholz und der Bedeutung für die Biodiversität besonders geschätzt. Wegen ihrer Standortvariabilität und Trockenheitsresistenz wird ihr ein hohes Potenzial im Klimawandel zugeschrieben.
Flaumeiche - Projekt CONQuetTh
Der Norden und Nordwesten Frankreichs ist historisch gesehen die absolute Domäne der Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea). Durch den rasanten Klimawandel geraten diese Bestände dort jedoch massiv unter Druck. Steigende Temperaturen, sinkende Grundwasserspiegel und extreme Sommerdürren führen im Norden zu grossflächigem Eichensterben. Damit ist auch eine ganze Produktionskette, welche auf Eichenholz angewiesen ist, gefährdet.
Um die Eichenwälder in der nördlichen Hälfte des Landes an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen und so die Versorgung einer ganzen Branche mit Wertholz sicherzustellen, wurde die Einführung widerstandsfähigerer Arten untersucht. Die Flaumeiche, die der Traubeneiche und der Stieleiche botanisch nahe steht, wird dabei als interessant Alternative gesehen.
proQuercus Dienstleistungen
Beratung
proQuercus stellt einen kostenlosen Beratungsdienst für Fragen zur Eichenwaldwirtschaft zur Verfügung. Wir vermitteln Experten, welche Sie - wenn nötig auch vor Ort - zu Fragen des Eichenwaldbaus, der Biodiversität etc. beraten. Nehmen Sie mit den zuständigen Personen bei proQuercus Kontakt auf - schildern Sie uns Ihr Problem! Wir vermitteln Ihnen die Kontakte zu den geeigneten Fachexperten. [Link]
Präsentationsvorlagen
In Lehre, Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit werden oft Vorträge und Präsentationen zum Thema Eiche nachgefragt. Um das Rad nicht immer wieder neu erfinden zu müssen, hat proQuercus Präsentationsvorlagen zu verschiedenen Eichenthemen zusammengestellt. Diese stehen Interessenten kostenlos zur Verfügung. [Link]
Fotomaterial
Fotomaterial zur Illustrierung von Broschüre, Vorträgen, Kursunterlagen? Immer wieder gelangen Anfragen bezüglich Fotomaterial an proQuercus. Wir haben uns deshalb entschlossen, unser Angebot zu erweitern und neu zu ordnen. Unter diesem Link finden Sie nun Photos zu verschiedenen Themen zur freien Verwendung.
Haben Sie selber, aussagekräftige Bilder zu Eichenthemen? Gerne nehmen wir diese in unsere Bilddatenbank auf. Bilder senden an: [email protected]
