Der Eichelhäher -  Waldbauer der Zukunft

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Projekt "Unterstützte Hähersaat"

Der Verein proQuercus koordiniert mit Unterstützung verschiedener Geldgeber ein Programm zur Förderung der Unterstützten Hähersaat. Die Aktivität des Eichelhähers soll genutzt werden, um das Eichenvorkommen auf natürliche Weise zu erweitern.

Inhalt 

Der Eichelhäher >

Die Unterstützte Hähersaat >

Das Projekt "Unterstützte Hähersaat" >

Erfahrungen und Kommentare aus den Projektjahren 2024 & 2025 >

Grosses Interesse >

Neue Wuchsgebiete erschliessen >

Wissenstransfer >

Impressionen >

Zweite Projektserie in 2025 >

Publikationen und Materialien >

Publikationen >

Broschüre >

Literatur >

Projektführung (Seite für Projektpartner) >

 



Der Eichelhäher

Der Eichelhäher ist zwar ein Allesfresser, der sich sowohl von Früchten und Samen als auch von Spinnen, Insekten, Raupen und sogar kleinen Nagetieren sowie Jungvögeln ernährt; den-noch gehören die Eicheln zu seiner Hauptspeise. Diese sind im Herbst besonders wichtig, weil sie als Wintervorrat dienen. Ein einziger Eichelhäher versteckt dafür im Herbst bis zu 5000 Eicheln. Bis zu 60 % der versteckten Eicheln bleiben aber ungenutzt, sodass im Frühling viele hunderte bis tausende Eichensämlinge keimen.

  • Der Eichelhäher (Vogelwarte Sempach). [Link]
  • Der Eichelhäher (Wikipedia). [Link]

Unterstützte Hähersaat

Die unterstützte Hähersaat nutzt den natürlichen Verjüngungsprozess durch den Eichelhäher. Bei fehlenden oder zu wenigen Samenbäumen wird dem Vogel in sogenannten Häherkästen ein künstliches Eichelangebot zur Verfügung gestellt. Ausgehend von diesen Depots transportiert und sät der Eichelhäher die Samen an den geeigneten Kleinstandorten. Aus den Eicheln wachsen gesunde, vitale und gut geformte Eichen heran. Im Gegensatz zu den vom Menschen gepflanzten Eichen haben diese keinen Pflanzschock erlitten und verfügen über eine intakte Pfahlwurzel.


Das Projekt "Unterstützte Hähersaat"

Projektflächen. Ein Projekt zur unterstützten Hähersaat besteht aus einer Waldfläche von ca. 3 bis 20 ha mit wenig oder keinen Eichen. Vorzugsweise weisen die Flächen Übergänge in der Bestandesstruktur auf, wie sie z. B. durch die Wirkung von Stürmen oder Trockenheit verursacht werden, und so günstige Bedingungen für die Verjüngung bieten. Mit Eicheln gefüllte Häherkästen werden dem Vogel in definierten Sektoren drei Jahre lang von September bis November zur Verfügung gestellt.

Aktionstage. Ein Hähersaat-Projekt ist nicht nur aus waldbaulichen Gründen  interessant. Dieses eignet sich auch ausgezeichnet für Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen von Aktionstagen sollen so Schulen aber auch Vereine, NGO’s und Firmen angesprochen werden. 

 

Den Projektpartnern wird eine Anleitung zur Umsetzung der Projekte zur Verfügung gestellt (s. Projektführung


Erfahrungen und Kommentare aus den Projektjahren 2024 & 2025


Grosses Interesse

Die Projekte zur "Unterstützten Hähersaat"  sind bei den Forstbetrieben auf breites Interesse gestossen. 2024 wurden 14 Projekte gestartet (blaue Pins), 2025 wurden neu 7 Projekte installiert und 3 weitere sind für 2026 vorgesehen.

Die Lage der Häherkästen wird mit GPS aufgenommen. Projekt Laufen (BL)

24 Projekte zur untertützten Hähersaat


Neue Wuchsgebiete erschliessen

Die Mehrzahl der Projekte wurde oberhalb des bisher für den Qualitätswaldbau günstigen Höhenbandes angelegt (350 – 700 m ü.M.). Dies zeigt, dass viele Forstbetriebe die Aktivität des Eichelhähers nutzen wollen, um Höhenstufen zu erschliessen, wo die Eiche bisher nicht oder nur selten vorkommt. So reagieren sie auf die mit dem Klimawandel erwartete Verschiebung der Vegetationshöhenstufen und die damit verbundene Erweiterung der für den Eichenanbau geeigneten Standorte.

In der Abbildung sind die Projekte 2024 dargestellt.

Höhenlage der Projekte und Verbreitungsschwerpunkt des Eichelhähers


Wissenstransfer

Neben der eigentlichen Eichenförderung will das proQuercus-Programm auch Erfahrungen mit dieser in der Schweiz noch wenig verbreiteten Verjüngungsmethode sammeln. Gesicherte Aussagen sind aufgrund der Projektanlagen zwar nicht möglich, dennoch sollen hier erste Eindrücke der Projektpartner wiedergegeben und vorsichtig interpretiert werden.

  • Der Eichelhäher scheint fast überall präsent zu sein; auch in Gebieten, in denen die Eiche fehlt oder selten ist.
  • Nicht alle Häherkästen werden gleich gut vom Eichelhäher angenommen. Zum Teil benötigt der Vogel offenbar eine gewisse Zeit, um sich auf das künstliche Eichelangebot einzustellen.
  • Der Eichelhäher scheint gerade bei einem spärlichen, natürlichen Eichelangebot (Fehlmast, keine Samenbäume) gerne auf die Eicheln in den Häherkästen zurückzugreifen.
  • Häherkästen im Saumbereich von strukturierten Beständen scheinen effektiver zu sein als solche auf Freiflächen. Mögliche Gründe dafür könnten die Imitation der natürlichen Lage einer Eiche, besserer Schutz für den Vogel, eine längere Frische der Eicheln sowie die Verfügbarkeit geeigneter Kleinstandorte für die Anlage von Wintervorräten sein.
  • Das Material und die Dimension der Häherkästen scheinen keinen Einfluss auf die Annahme der Eicheln zu haben.
  • Die Eicheldepots (Häherkästen) werden auch von Eichhörnchen und Mäusen genutzt.

Impressionen aus den Projekten

Mit der Wildkamera eingefangen. Projekt "RéGEAInération" im Val-de- Travers (NE). Video: Alix Mercier

Impressionen aus den Projekten.


Diverse  Materialien


Publikationen

Bonfils et al. (2024) Eichelhäher und Förster - zusammen für den Eichenwald. WALD + HOLZ 5/24

 [Download]

Bonfils et al. (2025) Die Eiche, der Eichel-häher und der Förster. Schweiz Z Forstwes 176 (2025) 3: 172–173  

Bonfils P. (2025) Fleissiger Förster. Ornis 3/25, 20-21

 


Broschüre (Faltblatt)

Literatur

  • Rémy Petit, Alexis Ducousso 1994: «Le geai des chênes, premier reboiseur européen,» Forêt entreprise, 97 [Link]
  • I. Bossema 1979: Jays and oaks: An eco-ethological study of a symbiosis,. Behaviour, 70,1-2, pp. 1-117 [Link]
  • Vogelwarte Sempach. Eichelhäher, Garrulus glandarius [Link] 
  • F. Vera 2000:  Grazing Ecology and Forest History, The Hague, Ministry of Agriculture, Nature Management and Fisheries [Link]
  • B. Stimm, T. Knoke 2004: Hähersaaten: Ein Literaturüberblick zu waldbaulichen und ökonomischen Aspekten, Forst und Holz, 59, pp. 531-534 [Link]
  • J. Fourage 2014.: Le Geai des chênes Garrulus glandarius: illustration d’une étroite association avec le chêne. Aves 51/2, pp. 109-112  [Link]

Projektführung


 

Finanzielle Unterstützung

 

Die Projekte Unterstützte Hähersaat werden unterstützt durch :

  • Seedling Foundation * (Link)
  • Kanton Waadt ** (Link)
  • Somaha-Stiftung *** (Link)

* Seedling Foundation unterstützt Initiativen und Organisationen, die innovative Lösungen für den Klimaschutz entwickeln und umsetzen. Nurture – Inspire – Empower ist das Leitmotiv für ihr philanthropisches Engagement. Dabei liegt der Fokus auf dem Ernährungssystem (Agro-Food Sektor). In der Schweiz und im angrenzenden Europa (Fokus Schweiz) ist SEEDLING in den folgenden vier Themenfeldern aktiv: Nachhaltige Lebensmittelproduktion, nachhaltige & gesunde Ernährung, Food Waste & Kreislaufwirtschaft, Klimabewusstsein & Klimagerechtigkeit.

 

** Der Kanton Waadt unterstützt die Waadtländer Projekte zur unterstützten Hähersaat vollständig durch vom Kanton subventionierte Massnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel. Zum Zweck des Erfahrungsaustauschs und in Absprache mit den Projektpartnern werden die Projekte in enger Zusammenarbeit mit dem Verein proQuercus durchgeführt.

 

*** Die Somaha Stiftung unterstützt Projekte und Organisationen, die sich für die Vielfalt der Arten und deren Lebensräume einsetzen. Das Hähersaatprojekt trägt durch die För-derung resilienter Eichenwälder aktiv zum Schutz der Biodiversität bei und schafft durch die Einbindung der Öffentlichkeit Bewusstsein für die Bedeutung natürlicher Waldprozesse.

 

Für unsere Projektpartner

 

 

Informationen und Instrumente  [Link]