Biotische Gefährdungen

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Einleitung

Pathogene Organismen wie Viren, Bakterien, Nematoden, Pilze und Insekten können den Bäumen und dem Wald stark zusetzen. Auch wenn die Eiche in der Schweiz bisher von grossen und flächigen Schäden verschont blieb, werden dennoch verschiedene Schadorganismen beobachtet, welche lokal auftreten und Schäden verursachen können. Dabei dürfte der Klimawandel die Entwicklung und Verbreitung von Schadorganismen weiter begünstigen. Auch der in den letzten Jahrzehnten stark ausgedehnte weltweite Handel birgt die Gefahr des Einschleppens gebietsfremder Schädlinge. Welch gravierende Folgen dies haben kann, wird aktuell am Eschentriebsterben sichtbar. Keine Baumart – auch die Eiche nicht – ist grundsätzlich vor einer solchen Entwicklung gefeit. Entsprechend wichtig ist die Beobachtung und Interpretation von Krankheitssymptomen in der Praxis.

Aktuelle Situation in der Schweiz ->
Einige häufige Schadorganismen ->
Komplexkrankheit Eichensterben ->
Klimawandel ->
Potenzielle Gefahren ->
Befallssituation! Was tun? ->
Weiterführende Links ->
Literarturverzeichnis ->

Honiggelber Hallimasch (Abb. aus Nierhaus-Wunderwald, Engesser und Rigling 2012 [4])


Aktuelle Situation in der Schweiz


Die phytosanitärische Situation der Eiche wurde von Waldschutz Schweiz (WSL) im Zusammenhang mit der Beurteilung der Zukunftschancen dieser Baumart im Klimawandel beurteilt. Der folgende Auszug aus dem WSL-Merkblatt „Die Eiche im Klimawandel“ [1] stellt den aktuellen Wissenstand zum Thema dar.

 

Eichen können von verschiedenen Insekten-Frassgemeinschaften heimgesucht werden. In der Schweiz sind bei Kahl- oder Lichtfrass am häufigsten die Frostspanner-Arten (Erannis defoliaria und Opterophtera brumata), der Grüne Eichenwickler (Tortrix viridana) sowie auf freistehenden Bäumen der Goldafter (Euproctis chrysorrhoea) zu beobachten. Geschwächte Eichen werden von parasitischen Pilzen wie dem Hallimasch (Armillaria sp.) oder dem Spindeligen Rübling (Collybia fusipes) befallen. Letzterer zerstört die Starkwurzeln, so dass befallene Bäume ihre Sturmfestigkeit einbüssen.

 

Seit Jahrhunderten wird Europa periodisch von Eichensterben heimgesucht [3]. Die Ursache für dieses Phänomen wird in einer Kombination mehrerer krankheitsfördernder Faktoren vermutet. Dazu zählen Klimaextreme (Winterfröste, Trockenheit), vorangegangener Kahlfrass (Insekten) und Nährstoff-Ungleichgewichte. Die Stieleiche scheint in Zeiten des Eichensterbens stärkere Schadsymptome aufzuweisen als die Traubeneiche. Die Schweiz ist bis jetzt von grossflächigem Eichensterben verschont geblieben. Es liegen aber Meldungen von unspezifischen Kronenverlichtungen an Alteichen vor [8]. Möglicherweise noch gefährlicher als die bisher schon bekannten Schädlinge sind eingeschleppte Arten. In Bezug auf die Eiche steht etwa Phytophthora ramorum, ein pilzähnlicher Mikroorganismus mit grossem Schadpotenzial, unter besonderer Beobachtung [2]. Voraussagen zur Entwicklung potenzieller Eichenschädlinge und -Krankheiten in Zusammenhang mit Klimaveränderungen sind aber nur beschränkt möglich. Seit einigen Jahren tritt in einigen Ländern der wärmeliebende Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) verstärkt in Erscheinung. Dieser kann unangenehme Auswirkungen auf Mensch und Tier haben, da die feinen Haare der Raupen allergische Reaktionen von Haut und Schleimhäuten auslösen können.“

Einige häufige Schadorganismen


Grosser Frostspanner (Erannis defoliaria). Während der Monate September bis Mitte Januar schlüpfen die Falter. Die ungeflügelten Weibchen kriechen an den Baumstämmen empor, während die geflügelten Männchen diese umschwärmen und die Weibchen begatten. Die Eier werden von den Weibchen in Rindenspalten abgelegt. Anfang April bis Mai schlüpfen die Raupen und beginnen ihren Frass an den Blättern und Trieben. [Weiterlesen auf Waldschutz Schweiz]

Die Raupe des Grossen Frostspanners. [Bild: Beat Wermelinger, WSL]


Kleiner Frostspanner (Erannis defoliaria). Die Raupen des Kleinen Frostspanners können an ihren Wirtsbäumen erheblichen Schaden verursachen. Mitunter lassen sie nur die stärkeren Blattrippen und Stiele übrig. Vereinzelt kommt es zu Kahlfraß an einem gesamten Baum. Als Wirtsarten dienen zahlreiche Laubhölzer, darunter Eiche, Buche, Hainbuche, Ahorn und viele andere, sowie Obstbäume, an denen die Raupen großen Schaden anrichten können. [Weiterlesen auf Wikipedia]

Begattung eines ungeflügelten Weibchens [Bild: Lepiforum.de]


Grüner Eichenwickler (Tortrix viridiana). Im Frühling werden die austreibenden Knospen und später die Blätter und Blüten in den Eichenkronen durch grüne, dunkel gepunktete Räupchen befressen. Ausgewachsen erreichen sie eine Länge von knapp 2 cm. Im Mai verpuppen sie sich in sogenannten Blattwickeln oder unter umgeschlagenen Blattlappen. Bei starkem Befall können die Eichen starken Lichtfrass oder sogar Kahlfrass erleiden. [Weiterlesen auf Waldschutz Schweiz]

Die Blätter sind an der Spitze meist stärker befressen, einige Hauptnerven bleiben stehen [Bild: Beat Forster, WSL]


Hallimasch. „Der Hallimasch ist ein häufig vorkommender Wurzel- und Stammfäuleerreger von grosser forstwirt-schaftlicher Bedeutung. Gefährlich wird der Pilz dann, wenn der Baum unter hohem Stress steht (Schädlingsbefall, Trockenheit, Nährstoffmangel, etc.) und der Hallimasch das Kambium abtötet ("Kambium-Killer").“ [Weiterlesen auf Waldschutz Schweiz]

Laubverlust an Eiche nach Hallimasch-Infektion: aussen bereits kahl, innen belaubt. [Bild und Text [4]]


Spindeliger Rübling. Pilzfruchtkörper finden sich an Wurzelstrünken von Buchen, Eichen und gelegentlich Edelkastanien, wo der Pilz sich saprophytisch ernährt. Als oft unterschätzter und gefährlicher Wurzelparasit befällt er auch stehende Eichen, insbesondere Stieleichen (Q. robur) und Roteichen (Q. rubra). [Weiterlesen auf Waldschutz Schweiz]

Fruchtkörper des Spindeligen Rüblings mit einem längs aufgeschnittenen Exemplar. Bild Wikipedia


Eichenprozessionsspinner. Der Eichenprozessionsspinner legt seine Eier im Spätsommer an Zweige in der Eichenkrone ab. Im Frühling schlüpfen die jungen Raupen zeitgleich mit dem Blattaustrieb und fressen während mehrerer Wochen in der Krone an den Blättern, meistens nachts.. [Weiterlesen auf Waldschutz Schweiz]

Kolonie von jüngeren Raupen beim Fressen. [Bild: Beat Wermelinger, WSL]


Komplexkrankheit Eichensterben


Seit Jahrhunderten kommt es in Europa immer wieder zu grossflächigen Eichensterben (Delatour, 1983). Die Symptome dieser Komplexkrankheit sind zu Beginn ganz unspezifisch indem zuerst ein allgemeiner Vitalitätsverlust festgestellt wird (Kronenverlichtung), der dann von einem Austrocknen der Krone von oben her (kahle Triebe, vermehrtes Totreisig, abgestorbene Äste) sowie der Bildung von Angst- und Wasserreisern abgelöst wird (Bildung einer Sekundärkrone). Innerhalb relativ kurzer Zeit (1 bis 3 Jahre) kann es dann zum Absterben der Eiche kommen (Anonymous, 2011). Die Ursachen für diese Eichensterben werden in einer Kombination von unterschiedlichen, krankheitsfördernden Faktoren vermutet. Dazu zählen Klimaextreme (Winterfröste, Trockenheit), vorausgegangener Kahlfrass (Insekten) und Nährstoffungleichgewichte (z. B. Stickstoff Überangebot). Geschwächte Eichen werden oft von Wurzelparasiten wie dem Hallimasch (Armillaria sp.), dem Spindeligen Rübling (Collybia fusipes) und Mikropilzen aus der Gattung Phytophthora befallen. Insbesondere auf der süd- bis westexponierten Seite der Stämme kann auch ein Befall durch den Zweipunkt Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) auftreten. Erkrankte Eichen weisen häufig Schleimfluss auf (Engesser, 2000). In verschiedenen Berichten wird die Stieleiche als sensitiver als die Traubeneiche beschrieben (Delatour, 1983) (Anonymous, 2011).

Abbildung links aus C. Delatour 1983 [3]

Abbilung rechts aus Wolf, Patercord 2012 [9]

Klimawandel und biotische Gefährdungen


Bei der Diskussion über die Folgen der Klimaänderung finden die möglichen Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Wirt und Pathogen oft zu wenig Beachtung. Aus Erfahrungen weiss man, dass neben den bekannten Schadorganismen unter veränderten Umweltbe-dingungen auch bisher kaum in Erscheinung getretene, oftmals harmlose Schädlinge zu verstärkter Virulenz finden können [10]. Eine möglicherweise noch grössere Gefahr geht von invasiven Arten aus. Das immer dichtere Netz von Wirtschafts-beziehungen in alle Welt erleichtert das Verschleppen von Schadorganismen. In Bezug auf die Eiche (und andere Baumarten) steht etwa Phytophthora ramorum, ein pilzähnlicher Mikroorganismus mit grossem Schadpotenzial, unter besonderer Beobachtung [2].

Potenzielle Gefahren


Als Pathogen mit grossem Schadpotenzial gilt Phytophthora rumorum, ein pilzähnlicher Organismus. Es handelt es sich hierbei um ein sehr virulentes Pathogen, das Blätter und Triebe von verschiedenen Eichenarten befallen kann. In den USA hat Phytophthora zu einem eigentlichen Eichensterben geführt. Befallene Bäume sterben i.d.R. schnell ab, so dass bei diesem Phänomen auch von Sudden Oak-Death gesprochen wird. Der Krankheitserreger konnte in der Schweiz erstmals 2003 in einer Baumschule nachgewiesen werden. Seither scheint er aber unter Kontrolle zu sein. Die WSL bietet auf ihrer Website verschiedene Informationen zu Phytophthora ramorum an [Link].

 

Um eine weitere Verbreitung von Phytophthora ramorum zu verhindern, wurden vom Bund Massnahmen zum Schutz gegen die Einschleppung und Ausbreitung getroffen [Link]. Die Sektion Waldschutz und Waldgesundheit des BAFU ist Anlaufstelle für Fragen zum Thema (Therese Plüss, +41 58 464 77 86).

Befallssituation! Was tun?


Zur Identifikation biotischer Gefährdungen an der Eiche hat Waldschutz Schweiz ein online Diagnose-Tool entwickelt [Link]. Bei ungewöhnlich starken oder unbekannten Schadbildern an der Eiche sollte aber nicht gezögert werden Waldschutz Schweiz zu informieren bzw. Beratung anzufordern; ein entsprechendes Online-Formular ist aufgeschaltet [Link].

 

 

Weiterführende Links


BAFU Sektion Waldschutz und Waldgesundheit [Link]


Waldschutz Schweiz WSL [[Link]


Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg – Waldschutz [Link]


Bayrische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft [Link]


Bundesforschungszentrum für Wald (A) – Institut für Waldschutz [Link]

Literatur


[1] P. Bonfils, A. Rigling, U.-B. Brändli, P. Brang, B. Forster, R. Engesser, F. Gugerli, P. Junod, R. Müller und M. Günthardt-Goerg 2015: Die Eiche im Klimawandel. Zukunftschancen einer Baumart. Merkbl. Prax. 55: 12 S. [Link]
[2] Infraconsult 2011: Konzept zum Umgang mit biotischen Gefahren für den Wald. 2011. [Link].
[3] C. Delatour 1983: Les déperissments de chênes en Europe,“ Revue forestière française, Bde. 4-1983, 265-282, 1983. [Link]
[4] D. Nierhaus-Wunderwald, R. Engesser und D. Rigling 2012: Hallimasch - Biologie und forstliche Bedeutung. Merkbl. Prax. 21: 2. überarbeitete Auflage. 8 S., 2012. [Link]
[5] Anonymous 2011: Hinweise zum Eichensterben, 7. Waldschutzinformation 2011,“ Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (Abteilung Waldschutz) , 2011. [Link]
[6] Anonymous 2013: Befallssituation und Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in Bayern im Forst und urbanen Bereich. Statusseminar „Prozessionsspinner (Notodontidae)“ des JKI und BfR, 18. Februar 2013, Berlin, 2013. [Link]
[7] Anonymous 2012: Aktuelle Informationen zum Eichensterben und weiteres Vorgehen 2012/13,“ Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (Abteilung Waldschutz), Wadschutzinformation 03/2012, 2012. [Link]
[8]

Franz Meier, Roland Engesser, Beat Forster, Oswald Odermatt, Alexander Angst 2013: Forstschutz-Überblick 2012. WSL Berichte, Heft 2, 2013. [Link]

[9] Manuela Wolf und Ralf Petercord 2012: Eichenschäden in Nordbayern. LWF aktuell 88/2012
[10] R. Engesser, B. Forster, F. Meier, B. Wermelinger 2008: Forstliche Schadorganismen im Zeichen des Klimawandels. Schweiz Z Forstwes 159 (2008) 10: 344–351 [Link]